Hier ein paar Worte zur Entstehung der 300er Reihe bei Volvo

Geschichte

Premiere hatte die 300er Reihe von Volvo 1976. Volvo warb mit Komfort, aktiver und passiver Sicherheit, Zuverlässigkeit und einem günstigen Preis-/Leistungsverhältnis, also für die außerordentliche Qualität eines Volvos, die man heute den Wagen von damals noch ansieht. Die nach Deutschland ausgelieferten Fahrzeuge wurden in den Niederlanden, im von Volvo aufgekauften DAF-Werk, produziert. So standen anfangs der "343L" und "343DL" bei den Volvohändlern. Die 300er sind Hecktriebler. Als Basisantrieb dient ein verbrauchsgünstiger 1,4 Ltr. Vergasermotor (Lizensbau von Renault, intern bei Volvo als B14 4E bezeichnet) mit 4 Zylindern und 62 PS. Anfangs gab es nur ein stufenloses CVT-Getriebe, das unter dem Namen Variomatic verkauft wurde. Das Getriebe arbeitet stufenlos, dadurch ist es theoretisch möglich, rückwärts genauso schnell wie vorwärts zu fahren! Der 300er ist der kleinste Volvo, den es in Deutschland je gab. Der "kleine" Volvo sollte neue Kundenschichten ansprechen und als "Einstiegsvolvo" Kariere machen, aber das Gegenteil war der Fall: speziell ältere Volvo-Kunden kauften den kleinen Volvo, weil die Kinder aus dem Haus waren und kein großer Segelurlaub mehr anstand... Gerüchten zu folge, will Volvo allerdings wieder in der Golfklasse mitmischen. 

1979 kam die erste Modellpflege und auch die auf Wunsch lieferbare fünftürige Variante 345. Es wurde die Front mit den Scheinwerfern,die Stoßfänger und die Motorhaube verändert. Der Innenraum mitsamt Amaturenbrett wurde den größeren Volvomodellen angepasst. Jetzt gab es auf Wunsch auch das Volvo 4-Ganggetriebe. Um eine ideale Gewichtsverteilung zu bekommen wurde das Schaltgetriebe hinten an der blattgefederten Achse platziert. Man spricht hier von einer Transaxle-Bauweise, die durchaus sportliche Fahrweise zulässt. Ab 1981 gab es eine Variante mit 2-Ltr. Volvo-Motor B19 "345 GLS", später mit Einspritzung (LE-Jetronic mit Schubabschaltung) statt Vergaser "345 GLT". 1984 wurden das Amaturenbrett und die Sitze nochmals überarbeitet. Ab 1984/85 kam noch ein Diesel-Motor, Renault 1,6 Ltr., und dann kam noch eine Benziner-Version, mit 1,7 Ltr. Renault-Motor. Auch das 5-Ganggetriebe von den Großen Volvos war zu haben.

Auch der Begriff "schnelle Welle" taucht in diesem Zusammenhang immer wieder auf, da sich die Welle vom Motor zum Getriebe mit Motordrehzahl dreht.

Modelljahr 1986 wurde nochmals fahrwerktechnisch und optisch überarbeitet. Gut erkennen kann man es an den Seitenblinkern vorne, die sich jetzt in der Stoßstange befinden. Dann gab es den "340L", "340 DL", "340 Diesel", "340 GL", "360 GLT" als Fließheck und den "340 GLS" und "360 GLE" als Stufenhecklimousine. Im Laufe der Jahre kamen so viele Modellbezeichnunge zusammen, daß es nicht ganz einfach ist, alle auseinanderzuhalten. Auch Volvowerstätten tuen sich da heute schwer. "Welcher 300er ist es denn? Mit Klima? Servo?" usw. Bei den Benzinern  steht 340 für den 1,4Ltr. Motor und 360 steht für den 2 Ltr. Volvomotor. Beim "340 DL" und "340 GL" leistet der 1,4 Ltr. Motor 71 PS und wird zusätzlich mit einem 5 Ganggetriebe unterstützt. Den 1,6 Liter Dieselmotor gibt es mit dem 5 Ganggetriebe und 54 PS. Der 2,0 Ltr. Einspritzmotor hatte 115 PS (mit Vergaser brachte es der gleiche Motor auf 102PS). Für Überraschung, die kein Golf-GTI-Fahrer diesem Auto zutraute, sorgte er ständig.

 

Meines Erachtens ist die 300er Reihe eine Weiterentwicklung des Volvo 66, also ein umgestrickter DAF. Eine große Rolle bei der Entwicklung spielte die Sicherheit, für die Volvo als Sicherheitsmarke steht. Daher griffen die (DAF-) Ingenieure auf gewonnene Erkenntnisse des Volvo Experimental Safety Car (VESC) zurück. So hat jeder 300er einen Seitenaufprallschutz in Form eines Stahlrohres in den Türen, eine definierte Knautschzone und ein Zweikreis-Bremssystem mit 4 Bremsscheiben bekommen. Es gab zwei verschiedene Karosserievarianten. Zum einen das Fließheck mit 3 oder 5 Türen und zum anderen die Stufenhecklimousine mit 4 Türen. Diese Fahrzeuge hatte bereits einen Luftwiderstandsbeiwert von Cw 0,36.

Die aufpreispflichtige Sonderausstattung war reichlich. Sie reichte von der Zentralverriegelung, Klimaanlage, Edelvelourpolsterung oder Leder, Heckscheiben-Jalousie (außen!) bis zu Alufelgen, Drehzahlmesser und Zusatzamaturenbrett mit Öldruckanzeige und Voltmeter. Auch eine Kühlergrillabdeckung für den harten Wintereinsatz, wie in Schweden üblich, konnte geordert werden. Und noch viele weitere mehr oder weniger sinnvolle, schöne Extras und Helferlein, die jetzt nicht aufgeführt werden, da sie den Rahmen an dieser Stelle sprengen würden!

Des weiteren gab es in den Jahren mehrere Sondermodelle wie z.B 1985 den "340 DL Club" und den sportlichen "360 GLT 2,0i SPECIAL". Es gab noch eine besonders sportliche R-Serie mit geändreten Differentialen, Rundumverspoilerung, speziellen Felgen und Lenkrad. In der ersten Auflage wurden 100 R-Sport 343 gebaut. Die Firma Lutzenberger baute 1984 einen 343 R-Sport mit 158 PS aus 1,9 Ltr und 45er Weber Vergaser und bearbeiteten Ventilrn und Kanälen. Später gab es weitere R-Sport Fahrzeuge. Verbaut wurde dann der B-19 Motor mit schärfere Nockenwelle, anderem Zylinderkopf (mit V-Förmig angeordneten Ventilen und sogar als 16-Ventiler) und 130 PS.

 

Offiziell wurde die 300er Reihe bis 1990 von Volvo Deutschland vertrieben. Doch durch die Wende kam es zu einer großen Nachfrage und so wurden noch einige bis ins Jahr 1991 direkt von Volvo NL geordert und von deutschen Händlern verkauft.

 

Modell-Übersicht

 

Modell

343

344/364

345/365

Klasse

Mittelklasse

Mittelklasse

Mittelklasse

Bauart

3tür. Fließheck

4tür. Stufenheck

5tür. Fließheck

Baujahr

1976 bis 1991

1983 bis 1989

1979 bis 1991

verkaufte
Fahrzeuge

506.000

146.200

434.300

 

 

 

Hubraum

ccm

max. Leistung

PS

Geschwindigkeit

km/h

Beschleunigung

0-100km/h

Neupreis

343 L

1397

70

155

15,9s

6 475 (1979)

343 DL

1397

70

155

15,9s

9 975 (1979)

343 Katalysator

1397

68

155

15,5s

9 250 (1988)

343 Oettinger

1596

90

165

12,5s

9 250 (1980)

344 DL Diesel

1596

54

140

20,0s

10 920 (1988)

345 DL

1397

68

160

15,5s

10 460 (1988)

345 DL Diesel

1596

54

140

20,0s

10 460 (1988)

364 GL

1986

112

180

11,0s

12 990 (1988)

364 GL (Kat)

1986

109

180

11,0s

12 990 (1988)

364 GLE

1986

112

180

11,0s

13 450 (1988)

364 GLE (Kat)

1986

109

180

11,0s

13 860 (1988)

364 GLS

1986

102

175

12,0s

-

365 GL

1986

113

180

10,8s

12 580 (1988)

365 GL (Kat)

1986

109

180

11,0s

12 580 (1988)

365 GLT

1986

113

180

10,8s

13 520 (1988)

365 GLT (Kat)

1986

109

180

11,0s

13 520 (1988)

 

Habe diese Liste auf einer Internetseite gefunden, ist aber wohl nur zum Teil richtig. Wenn jemand Fehler findet, bitte mir mailen.

 

Extras ab Werk (1980)

343 L/DL: stufenlose (CVT-)Automatlk 700 DM; nur DL: Stahlkurbeldach 810 DM, beheizter Fahrersitz 150 DM, H4-Licht 130 DM, Wisch/Waschanlage für Scheinwerfer 295 DM, hintere Ausstellfenster 170 DM, getönte Scheiben 425 DM, Metallic-Lack 350 DM, Leichtmetallräder und Reifen 175/70 SR 13 = 900 DM.


   

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